A Message to the People of Iran (English + Persian Subtitles)
Videobeschreibung:
Liebe Menschen im Iran!
Ich weiß nicht, wie viele mich trotz der Internetabschaltungen des Regimes hören können. Ich bin keine Iranerin, ich war nie im Iran und trotzdem möchte ich, dass ihr wisst: In meinem Herzen stehe ich an eurer Seite. Ich fühle mich euch verbunden, nicht, weil ich behaupten würde, eure Realität zu kennen, sondern weil ich die Einsamkeit erkenne, die entsteht, wenn ein Volk unvorstellbare Brutalität überlebt und die Welt wegschaut und ihr trotzdem weiterkämpft: für Wahrheit, Würde und das Leben.
Seit dem 7. Oktober ist mein Leben von einem Trauma geprägt, das mich nicht mehr loslässt. Was an diesem Tag geschah, die Gräueltaten, der Massenmord, die Grausamkeit, der Sadismus, die Vergewaltigung unserer Mädchen und Frauen, war unerträglich. Doch was noch tiefer schnitt, war das, was danach kam: das Schweigen, die Gleichgültigkeit und dann der Hass, laut und selbstbewusst, der sich sogar hier in Deutschland ausbreitete, in einem Land, das behauptet, aus der Geschichte gelernt zu haben. Es gibt viele Erinnerungen aus diesen letzten Jahren, die weh tun. Aber es gibt ein Bild, das mir Kraft gegeben hat und ich werde es nie vergessen: Immer wieder habe ich bei Demonstrationen für Israel und für die Geiseln eure Flaggen gesehen.
Ihr wart da, Seite an Seite mit uns. Ihr habt unseren Schmerz erkannt. Ihr habt zu uns gestanden, als es sich anfühlte, als hätte die Welt ihr Gesicht abgewandt. Wenn man trauert und die Welt so tut, als sähe sie den Schmerz nicht, bedeutet Solidarität alles.
Ich habe viele Monate nach dem 7. Oktober in Israel verbracht. Ich war auch im Norden, nahe der Grenze zum Libanon, wo Hisbollah-Raketen über unsere Köpfe flogen. Später stand ich in Tel Aviv während Raketenangriffen, ausgelöst von dem islamischen Regime, das auch euer Land in Ketten legt.
Und nun sehe ich seit Wochen eure Proteste. Ich sehe eure Videos, eure Gesichter, eure zitternden Stimmen, eure Beerdigungen, euer Blut auf den Straßen, eure Mütter, die weinen; eure jungen Menschen, mutig und unbewaffnet, die einer Maschine gegenüberstehen, die nicht zögert, euch zu töten. Ich kann nicht behaupten, euer Leid körperlich zu kennen, so wie ihr es kennt. Aber ich möchte, dass ihr wisst: Euer Schmerz ist nicht unsichtbar. Und ihr seid nicht allein.
Euer Land ist nicht dieses Regime. Iran ist nicht die Revolutionsgarde. Iran ist nicht Terror. Iran ist nicht Hisbollah. Iran ist nicht Hamas. Iran ist nicht die Raketen, die mich fast getötet hätten. Iran – das seid ihr.
Ihr habt der Welt gezeigt, wie Mut aussieht, wenn er etwas kostet. Ihr, die ihr immer wieder auf die Straße geht, obwohl ihr wisst, was passieren kann. Ihr, die ihr alles riskiert, um frei zu sein. Ich wünsche mir nichts mehr, als euch frei zu sehen, nicht als Slogan, nicht als geopolitisches Spiel, sondern als wirkliches Leben für wirkliche Menschen.
Ein Leben, in dem eure Töchter atmen können und ihre Zukunft wählen dürfen. Ein Leben, in dem eure Söhne nicht gejagt werden. Ein Leben, in dem Familien nicht in den eigenen vier Wänden flüstern müssen. Wenn ich politischen Einfluss hätte, würde ich ihn einsetzen. Ich würde mit jeder Kraft dafür kämpfen, dass die freie Welt aufhört, euer Leid als Hintergrundrauschen zu behandeln, dass sie aufhört, mit euren Unterdrückern zu verhandeln, dass sie aufhört wegzusehen. Denn ich habe seit dem 7. Oktober etwas gelernt:
Nach einem kollektiven Trauma ist der gefährlichste Moment der, in dem man beginnt zu glauben, man schreie in ein Nichts. Dass die Toten vergessen werden. Dass die Geiseln vergessen werden. Dass nichts, was man tut, einen Unterschied macht. Doch es macht einen Unterschied. Jeder Tag, den ihr überlebt, zählt. Jedes Leben, das geraubt wurde, zählt.
Jede iranische Familie Verlust trägt: Namen und Gesichter, die nie zurückkehren werden; abgebrochene Zukunft; Leben, die mitten im Satz endeten. Und trotzdem macht ihr weiter, nicht, weil ihr keine Angst hättet, sondern weil ihr euch weigert, ein Leben auf den Knien zu akzeptieren.
Ich höre eure Rufe nach Reza Pahlavi, eure Forderung nach einem Iran, der wieder seinem Volk gehört. Und ich werde mit der Stimme, die ich habe, tun, was ich kann, um eure Stimme hier zu verstärken.
Diese Dunkelheit ist real und ihr steckt noch mitten in ihr. Doch eines Tages wird es enden und ihr werdet ohne Angst atmen. Eines Tages werdet ihr dieses Regime in der Geschichte begraben, dort, wo es hingehört. Ich träume von dem Tag, an dem ich von Tel Aviv nach Teheran fliegen kann, an dem ihr Israel offen besuchen könnt. Ich träume von einem freien Iran, in dem eure uralte Kultur nicht länger Geisel einer Ideologie ist, die das Leben verachtet.
Ich verneige mich vor eurem Mut, eurer Ausdauer, eurer Einheit, im Iran und in der Diaspora. Wir sind bei euch. Und wir werden euch nicht vergessen.
Sarah Maria Sander
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