Ben Goertzel und Epsteins Traum vom „AI Manhattan Project“
Videobeschreibung
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In den Epstein-E-Mails taucht eine Figur auf, die für das technologische Zentrum dieser Geschichte entscheidend ist: Ben Goertzel. Er ist einer der radikaleren Denker der künstlichen Intelligenz, ein Mann, der sich früh von der akademischen KI-Forschung am MIT absetzte und überzeugt war, dass die etablierten Professoren das eigentliche Problem nicht lösen würden. Während Namen wie Marvin Minsky, Gerald Edelman oder Hal Abelson für die klassische Elite der KI-Forschung standen, sah Goertzel sich als Außenseiter mit dem besseren Plan.
Der Kontakt zu Epstein reicht offenbar bis in die frühen 2000er Jahre zurück. Goertzel schreibt 2008, Epstein habe ihm bereits 2001 in New Mexico eine Ausbildung beziehungsweise ein Projekt über die Epstein Foundation finanziert. Als Epstein Jahre später wieder Kontakt aufnimmt, antwortet Goertzel ausführlich und entschuldigt sich fast dafür, dass man seit 2002 keinen Kontakt mehr gehabt habe. Doch dann kommt er schnell zum Kern: Die KI-Forschung bewege sich nur im Schneckentempo. Man habe sogar Epsteins alte Idee eines „AI Manhattan Project“ diskutiert — eines großen, gebündelten Forschungsprogramms zur Entwicklung künstlicher Intelligenz.
Diese Formulierung ist bemerkenswert. Denn sie zeigt, dass Epstein lange vor dem heutigen KI-Hype über ein Großprojekt nachdachte, das künstliche Intelligenz ähnlich konzentriert vorantreiben sollte wie einst das Manhattan-Projekt die Atombombe. Nur ging es diesmal nicht um die Spaltung des Atoms, sondern um die Erschaffung eines künstlichen Geistes.
Goertzel verbindet diese Vision sofort mit Transhumanismus. Er fragt Epstein, ob er die Arbeit von Aubrey de Grey zur Lebensverlängerung kenne. Altern sei im Grunde eine Krankheit, die man heilen könne. Mit künstlicher Intelligenz könne man Wissenschaftler erschaffen, die jene Probleme lösen, an denen Menschen scheitern. Der Gedanke dahinter ist radikal: Der Mensch ist unvollkommen, sterblich, langsam — und braucht eine Maschine, die ihn überholt.
Epstein reagiert interessiert. Er spricht wieder vom Brooklyn Project, von MIT-Forschern, von Preisen für denjenigen, der endlich eine echte KI baut. Goertzel hält die akademischen Größen zwar für ideenreich, aber zu langsam. Er will das Projekt selbst vorantreiben: ein Zehnjahresplan, eine KI auf Erwachsenen-Niveau, später eine Maschine, die programmieren lernt, sich selbst verbessert und am Ende das Problem der Sterblichkeit lösen könnte.
Besonders entlarvend ist Goertzels Geburtstagsmail 2010. Wenn „Epstein noch 100.000 Geburtstage erleben wolle“, solle er sein KI-Projekt finanzieren. Es ist die perfekte Formel dieses Netzwerks: Geld, Intelligenz, Unsterblichkeit. Epstein war hier nicht nur Förderer. Er war Katalysator einer Vision, in der künstliche Intelligenz zum Werkzeug der Menschenüberwindung werden sollte.
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