Spieltheoretischer Jahresrückblick: Was läuft schief und wieso?
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In der spieltheoretischen Analyse von Kommunikationsprozessen – den sogenannten Signaling Games – ist ein Signal nur dann informativ, wenn es für den Sender Kosten verursacht, die untrennbar mit der Qualität oder dem Wahrheitsgehalt der Information verknüpft sind (Costly Signaling). Was wir derzeit in der medialen Landschaft beobachten, ist der weitgehende Kollaps dieses Mechanismus zugunsten eines permanenten Zustands von „Cheap Talk“.
Das Versagen des Separating-Gleichgewichts
In einem funktionierenden Informationsmarkt erwarten wir ein Separating-Gleichgewicht: Seriöse Akteure setzen ihre mühsam aufgebaute Reputation als „Kaution“ ein. Sie skandalisieren nur dann, wenn ein echter Missstand vorliegt, da eine Falschmeldung ihre langfristige Auszahlung (Glaubwürdigkeit) mindern würde.
Die moderne Aufmerksamkeitsökonomie hat jedoch die Auszahlungsmatrizen fundamental verschoben. Da die Grenzkosten für die Produktion von Empörung (Clicks) gegen Null gesunken sind, während der unmittelbare Ertrag durch Werbeumsätze sofort realisiert wird, ist es für das einzelne Medium rational geworden, jedes Ereignis maximal aufzubauschen. Wenn die Kosten der Empörung geringer sind als der potenzielle Klick-Gewinn, wird die Empörung wertlos.
Signal-Inflation und das Babbling-Equilibrium
Wir befinden uns in einer klassischen Signal-Inflation. Wenn die Amplitude der Berichterstattung bei einem banalen Versprecher dieselbe ist wie bei einem systemischen Verfassungsbruch, sinkt der Signal-Rausch-Abstand gegen Null.
Mathematisch resultiert dies in einem „Babbling Equilibrium“ (Plapper-Gleichgewicht): Ein Zustand, in dem der Sender zwar kontinuierlich Signale aussendet, diese aber keine Korrelation mehr zur zugrunde liegenden Realität aufweisen. Der Empfänger (der Bürger) erkennt dies und wertet die Signale nicht mehr aus. Das „Dauergeschrei“ wird zur statistischen Hintergrundstrahlung.
Strategische Konsequenzen
Das Paradoxon für die Gesellschaft: Diese mediale Hyperaktivität schützt ironischerweise die Akteure, die sie eigentlich kontrollieren sollte. In einer Welt, in der alles ein Skandal ist, existiert kein effektiver Skandal mehr. Echte Fehlentwicklungen verschwinden in der Informations-Entropie. Für politische Entscheider sinken dadurch die Kosten für Fehlverhalten, da sie darauf vertrauen können, dass ihr Handeln im Rauschen der nächsten Klick-Welle untergeht.
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Verantwortlich für Inhalt: Prof. Dr. Christian Rieck















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